Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 04. Februar 2009 um 11:28 Uhr
Albanien, Land und Leute
Die Albaner haben viele Qualitäten; sie zeichnen sich durch Gastfreundschaft, Spontaneität und Flexibilität aus. Wenn jemand auf ihre Hilfe angewiesen ist, sind sie sofort bereit in die Bresche zu springen.
Doch hat dieses Land viel Negatives in der Vergangenheit erlebt, wovon wir hier kurz berichten wollen.
Das Erbe der Vergangenheit

Albanien ist ein sehr interessantes Land mit einer bewegenden Geschichte; über viele Jahrhunderte wurde es besetzt und ausgenutzt. Verschiedene historische Hintergründe prägen das Land. 450 Jahre lang hielten es die Ottomanen besetzt, wenige Jahrzehnte später kam der Kommunismus in seiner grausamsten Form, religiöse Führer wurden in Fässern ins Meer gerollt und jede Form von religiösem Leben wurde erstickt.
1967 rief Diktator Enver Hoxha Albanien als das „Erste Atheistische Land der Welt“ aus.
Es gab keine Kirche mehr, auch nicht im Untergrund. Seit den 70er Jahren unterhielt Albanien keinerlei diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen mehr zu anderen Ländern und isolierte sich so als Nation von der Staatengemeinschaft. Als Folge dieser Entwicklungen wurde der Staat heruntergewirtschaftet und bekannt als das Armenhaus Europas.

In der kommunistischen Zeit durften Albaner kein ausländisches Fernsehen oder Radio empfangen. Es wurden 750.000 Bunker gebaut und dem Volk weisgemacht, dass der verarmte kapitalistische Feind (v.a. die USA) angreifen könne, weil man dort neidisch auf Albaniens Stromversorgung und Essensvorräte sei! Auf diese Weise wurde die Realität verdreht.
Jegliche Form von Staatskritik war verboten und wurde streng bestraft. So kam man beispielsweise allein durch eine negative Äußerung über die erhaltene Brotration „das Brot war heute schimmelig“ ins Zuchthaus. Spitzel- und Denunziantentum war an der Tagesordnung, Nachbarn und Familienmitglieder konnten sich nicht mehr vertrauen!
Obwohl das Land nun demokratisch geführt wird, lastet das Erbe der Vergangenheit schwer darauf und Korruption in allen Gesellschaftsschichten verhindert wirtschaftliches und soziales Wachstum.
Ein schwer wiegender Gesetzeskatalog

Neben den islamischen und kommunistischen Einflüssen sei hier noch ein Gesetzeskanon aus dem 15. Jahrhundert erwähnt, der „Kanun des Lek Dukagjini“. In ihm wird zur Blutrache ermutigt und der Frau wird eine minderwertige Rolle zugewiesen, sie gilt als „Schlauch“ (shakull), „in dem die Ware transportiert wird“. Die Blutrache hält auch heute noch eine Vielzahl Albaner (v.a. im Norden) in ihrem Würgegriff und viele Frauen leben auf Grund ihres Frauseins als Menschen zweiter Klasse.
Der Glaube und die Kultur
Auch Albaner, die zum Glauben kamen, sind herausgefordert, sich mit diesem schweren geschichtlichen Erbe auseinanderzusetzen und biblische Wahrheiten über die Erfahrung zu stellen. Die Gemeinde in Albanien steht somit vor großen Herausforderungen:
- wie kann man in vertrauensvollen Beziehungen leben wo früher Misstrauen herrschte?
- wie können Leiter anderen vorstehen ohne ihre Macht zu missbrauchen?
- wie kann man ein geordnetes Leben führen, wo man früher unter dem diktatorischen Regelwerk litt und sich nun Freiheit ohne Einschränkung wünscht? Und wie kann man eine positive Einstellung gesunden Regeln gegenüber gewinnen?
- wie kann man lernen, dass sich charakterliche Stärke in Liebe und Wertschätzung und nicht in Dominanz über den Anderen (z.B. seiner Frau) ausdrückt?
- wie kann man sein Ehrgefühl überwinden und, wenn angebracht, einander um Vergebung bitten und vergeben?